Marketing-Team analysiert Kennzahlen und Diagramme am Konferenztisch
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Was ist ein Marketing-Funnel? Definition, Phasen & Aufbau

TOFU, MOFU, BOFU, AIDA klingt nach bescheuerten Marketingfachwörtern, kann Dir aber einen echten Merhwert in der Kundenakquise bieten.

Jeder kennt den Begriff Trichter oder Funnel, aber weißt Du auch wirklich warum dieser Name gewählt wurde? Falls ja, Gratulation. Falls nein, hier die Erklärung: Er heißt Funnel (Trichter), weil auf jeder Phase Leute abspringen: Aus 1.000 Personen, die deine Anzeige sehen, werden vielleicht 50 Leads und am Ende 5 Kund:innen. Klingt nüchtern? Ist es. Aber don’t be sad: Denn genau diese Erkenntnis spielt eine große Rolle im erfolgreichen Marketing.

Inhalt dieses Artikels

  1. Was ist ein Marketing-Funnel? Die Definition
  2. Marketing-Funnel vs. Sales-Funnel vs. Customer Journey
  3. Die Phasen: TOFU, MOFU, BOFU
  4. Das AIDA-Modell als Bauplan
  5. Marketing-Funnel aufbauen: Schritt für Schritt
  6. Die wichtigsten Kennzahlen im Funnel
  7. Warum die meisten Funnels in der Praxis scheitern
  8. Häufige Fragen zum Marketing-Funnel
  9. Fazit

Was ist ein Marketing-Funnel? Die Definition

Ein Marketing-Funnel beschreibt schematisch, welche Stationen ein Mensch durchläuft, bevor er zur Kundin oder zum Kunden wird: vom ersten Kontakt über wachsendes Interesse bis zur Kaufentscheidung, und im besten Fall darüber hinaus bis zur Weiterempfehlung. Das Bild des Trichters passt, weil die Zahl der Menschen von Phase zu Phase kleiner wird. Nicht jeder, der deinen Instagram-Post sieht, klickt. Nicht jeder, der klickt, kauft.

Genau das macht den Funnel zu einem der nützlichsten Werkzeuge im Marketing: Er zwingt dich, in Phasen statt in einer einzigen "Kampagne" zu denken. Jede Phase hat ein eigenes Ziel, eine eigene Botschaft und einen eigenen Kanal. Ohne diese Trennung schickst du am Ende alle Menschen zur selben Landingpage mit derselben Botschaft, egal ob sie dich gerade zum ersten Mal sehen oder schon kurz vor dem Kauf stehen. Ohne Mist: Das ist der häufigste Grund, warum Kampagnen schlecht konvertieren.

Der Begriff stammt ursprünglich aus dem klassischen Werbemodell AIDA (dazu weiter unten mehr) und hat sich seither kaum verändert, obwohl sich Kanäle und Tools ständig gewandelt haben. Egal ob jemand über eine Google-Anzeige, einen TikTok-Clip oder eine Empfehlung von einem Freund auf dich aufmerksam wird: Die grundsätzliche Logik bleibt gleich. Erst Aufmerksamkeit, dann Interesse, dann Entscheidung. Kein Trick, kein Tool und keine KI überspringt diese Reihenfolge dauerhaft.

Ein Funnel zwingt dich, in Phasen zu denken, statt allen Menschen zur selben Zeit dieselbe Botschaft zu zeigen.

Marketing-Funnel vs. Sales-Funnel vs. Customer Journey

Drei Begriffe, die ständig durcheinandergeworfen werden. Kurz und konkret der Unterschied:

  • Marketing-Funnel: deckt die gesamte Reise ab, von Awareness bis Loyalty. Aufgabe von Marketing und Content.
  • Sales-Funnel: der schmalere Ausschnitt in der Mitte und am Ende, in dem aus einem qualifizierten Lead durch Beratung und Angebot ein zahlender Kunde wird. Aufgabe von Vertrieb.
  • Customer Journey: dieselbe Reise, aber aus Sicht der Person, nicht des Unternehmens, oft inklusive aller Kanäle und Touchpoints außerhalb des Funnels (Bewertungen, Mundpropaganda, Support-Anfragen).

In kleinen Unternehmen verschwimmen Marketing- und Sales-Funnel meistens ohnehin, weil dieselbe Person beides macht. Trotzdem hilft die gedankliche Trennung: Marketing sorgt dafür, dass genug Menschen oben in den Trichter kommen. Vertrieb (oder ein automatisierter Prozess) sorgt dafür, dass am Ende genug davon kaufen.

Die Customer Journey wiederum ist der ehrlichere, aber auch unordentlichere Zwilling des Funnels. Sie ignoriert die schöne Trichterform und zeigt stattdessen, wie chaotisch Menschen tatsächlich entscheiden: hin und her springen zwischen Google-Suche, Instagram, einer Empfehlung im Freundeskreis und wieder zurück zu deiner Website, bevor überhaupt eine Anfrage kommt. Ein guter Funnel ignoriert dieses Chaos nicht, sondern legt für jeden dieser Touchpoints fest, welche Botschaft dort am ehesten funktioniert.

Teamleiter präsentiert eine Wachstumskurve auf dem Whiteboard im Strategie-Meeting
Foto: Yan Krukau / Pexels

Die Phasen des Marketing-Funnels: TOFU, MOFU, BOFU

Die drei Buchstaben-Kürzel klingen komplizierter, als sie sind. Sie beschreiben schlicht, wo im Trichter jemand gerade steht — und was diese Person als Nächstes sehen sollte. HubSpot ordnet dieselbe Logik im eigenen Funnel-Modell den Phasen Reach, Akquisition und Conversion zu, im Kern läuft es aber auf dieselben drei Stufen hinaus.

TOFU Awareness · 1.000 Besucher:innen MOFU Consideration · 50 Leads BOFU 5 Kund:innen Retention & Loyalty
Aus 1.000 Besucher:innen werden 50 Leads und am Ende 5 zahlende Kund:innen — dieselbe Reise, die dieser Artikel beschreibt.

Top of Funnel (TOFU) — Aufmerksamkeit

Die Person kennt dich noch nicht. Hier zählt Reichweite, nicht der Verkauf. Passende Inhalte: Blogartikel wie dieser, Social-Media-Posts, SEO-Content, Kurzvideos. Ziel ist, überhaupt wahrgenommen zu werden, nicht sofort zu konvertieren.

Middle of Funnel (MOFU) — Interesse & Abwägung

Die Person hat Interesse gezeigt: Newsletter-Anmeldung, Download eines Leitfadens, ein ausgefülltes Formular. Aus dem anonymen Besucher ist ein Lead geworden. Hier zählen Vertrauen und konkreter Nutzen: Whitepaper, Vergleichsseiten, E-Mail-Sequenzen, Case Studies.

Bottom of Funnel (BOFU) — Entscheidung

Die Person ist kurz vor der Entscheidung. Jetzt zählen Angebot, Preis, Referenzen und ein klarer nächster Schritt: kostenloses Erstgespräch, Demo, Testphase, Rabattaktion. Alles, was hier Reibung erzeugt (unklare Preise, ein zu langes Formular, kein Call-to-Action), kostet dich Kund:innen, die eigentlich schon kaufbereit waren.

Nach dem Kauf: Retention & Loyalty

Viele Funnel-Modelle hören beim Kauf auf. Ein Fehler, denn ein Bestandskunde kostet dich fast nichts mehr an Akquisitionsbudget und bringt trotzdem weiter Umsatz, wenn er zufrieden bleibt und weiterempfiehlt. Diese vierte Phase bekommt in der Praxis am wenigsten Aufmerksamkeit, obwohl sie am günstigsten zu bespielen ist: ein guter Onboarding-Prozess, ein ehrlicher Follow-up nach dem Kauf, eine einfache Möglichkeit, eine Bewertung zu hinterlassen.

Das AIDA-Modell als Bauplan für deinen Funnel

Willst du einen Funnel selbst entwerfen, ist AIDA das älteste und immer noch brauchbarste Gerüst dafür: Attention (Aufmerksamkeit wecken), Interest (Interesse aufbauen), Desire (Wunsch nach der Lösung erzeugen), Action (zur Handlung auffordern). Die vier Stufen decken sich fast eins zu eins mit TOFU, MOFU und BOFU, nur granularer: Desire ist der Punkt, an dem aus reinem Interesse der klare Wunsch wird, genau dieses Problem jetzt zu lösen.

Der Denkfehler, den viele machen: bei Action anfangen. Ein knalliger Call-to-Action bringt nichts, wenn die Person davor noch nie Attention, Interest oder Desire durchlaufen hat. Das ist wie ein Heiratsantrag beim ersten Date. Erst der Reihe nach, dann klappt's auch mit der Conversion.

Ein Beispiel, wie das konkret aussieht: Ein Handwerksbetrieb postet einen kurzen Vorher-Nachher-Clip einer Badsanierung (Attention). Wer stehen bleibt und den Kommentaren folgt, sieht einen Link zu einem kurzen Leitfaden "5 Fehler bei der Badsanierung" (Interest). Wer den Leitfaden liest, bekommt am Ende eine konkrete Einladung zu einem kostenlosen Vor-Ort-Termin (Desire, weil jetzt der eigene Fall im Kopf ist). Und genau dieser Termin ist die Action. Kein Schritt lässt sich überspringen, ohne dass die Conversion Rate leidet.

Marketing-Funnel aufbauen: Schritt für Schritt

Kein Funnel-Bauplan gleicht dem anderen, weil kein Business und keine Zielgruppe gleich sind. Trotzdem lässt sich der Prozess in sechs Schritten zusammenfassen, die für fast jede Branche funktionieren, ob Handwerksbetrieb, Coaching oder Onlineshop.

  1. Zielgruppe und Problem definieren. Wer genau soll durch den Funnel gehen, und welches konkrete Problem lösen sie damit? Ohne diese Klarheit passt keine Botschaft in keiner Phase. Eine zu breite Zielgruppe ("alle, die ein Auto besitzen") ist keine Zielgruppe, sondern eine Ausrede, sich nicht festzulegen.
  2. Ein Angebot pro Phase festlegen. TOFU: ein Blogartikel oder Video. MOFU: ein Leitfaden, ein Erstgespräch, ein Newsletter. BOFU: ein konkretes Kauf- oder Buchungsangebot. Jedes Angebot braucht einen eigenen, klar erkennbaren nächsten Schritt.
  3. Kanäle wählen, nicht überall gleichzeitig sein. Zwei bis drei Kanäle, auf denen deine Zielgruppe wirklich unterwegs ist, richtig bespielt schlagen zehn Kanäle halbherzig. Das kübeln wir bewusst, wenn ein Kunde "auch noch schnell auf TikTok" will, ohne die Kapazität dafür zu haben.
  4. Landingpages und Formulare bauen. Eine Seite, ein Ziel, keine Ablenkung. Kein Menü, das zu zehn anderen Unterseiten führt. Je weniger Felder ein Formular hat, desto höher meist die Abschlussquote, auch wenn das intern gerne mehr Datenpunkte hätte.
  5. Follow-up automatisieren. E-Mail-Sequenzen oder ein einfacher CRM-Prozess, damit ein Lead nicht in einer Excel-Liste verstaubt. Genau hier macht KI-gestützte Automatisierung Sinn: repetitive Nachfass-Nachrichten sind kein Ort für Kreativität, sondern für Tempo.
  6. Messen, nicht raten. Ohne Zahlen zu jeder Phase optimierst du nach Bauchgefühl. Dazu gleich mehr.

Konzeption kommt dabei immer vor Umsetzung. Genau in dieser Reihenfolge bauen wir Funnels im Rahmen von Umsatz-Wahnsinn — erst der Plan, wer auf welcher Stufe steht und was als Nächstes passieren soll, dann erst Landingpage, Anzeige oder E-Mail.

Die wichtigsten Kennzahlen (KPIs) im Marketing-Funnel

Konkret vor abstrakt: Diese Zahlen sagen dir, wo dein Funnel wirklich leckt.

  • Traffic pro Phase: Wie viele Menschen erreichst du überhaupt in TOFU?
  • Conversion Rate pro Übergang: Wie viel Prozent schaffen es von TOFU zu MOFU, von MOFU zu BOFU?
  • Cost per Lead (CPL): Was kostet dich ein einzelner Lead im Schnitt?
  • Cost per Acquisition (CPA): Was kostet dich ein einzelner zahlender Kunde?
  • Absprungrate auf Landingpages: Verlässt jemand die Seite, ohne überhaupt zu scrollen?

Der Trick liegt nicht darin, alle diese Zahlen zu kennen, sondern zu wissen, welche eine Phase gerade dein größter Engpass ist. Meistens ist es nicht der obere Teil des Trichters (zu wenig Traffic), sondern die Mitte: Leute zeigen Interesse, aber springen vor der Entscheidung ab. Genau dort lohnt sich laufendes Tracking am meisten.

Feste Richtwerte über alle Branchen hinweg zu nennen, wäre unseriös: Conversion Rates zwischen TOFU und MOFU liegen je nach Branche und Kanal irgendwo zwischen 2 % und 20 %, und ein guter Wert für ein Beratungsunternehmen sieht komplett anders aus als für einen Onlineshop. Aussagekräftiger als jeder Branchen-Durchschnitt ist der Vergleich mit deinen eigenen Vormonaten: Wird die Übergangsrate von Phase zu Phase über Zeit besser oder schlechter? Das ist die einzige Zahl, die wirklich zählt.

Laptop mit Analytics-Dashboard zeigt Besucherzahlen und Conversion-Kennzahlen
Foto: Lukas Blazek / Pexels

Warum die meisten Marketing-Funnels in der Praxis scheitern

Die Theorie mit TOFU, MOFU und BOFU klingt sauber. In der Praxis scheitern die meisten Funnels trotzdem an denselben fünf, ziemlich unspektakulären Fehlern.

  • Alle Phasen mit derselben Botschaft bespielen. Jemand, der dich zum ersten Mal sieht, braucht kein "Jetzt 20 % Rabatt sichern" — das verbrennt Vertrauen, bevor es entstehen konnte.
  • Leads sammeln, ohne Follow-up-Plan. Ein volles CRM ohne Nachfassprozess bringt genau null Umsatz.
  • Zu viele Ziele auf einer Landingpage: Newsletter, Download, Kontaktformular, Shop-Link, alles gleichzeitig. Verwirrung tötet Conversion.
  • Kampagnen starten und nie wieder in die Zahlen schauen. Ohne Auswertung bleibt jede Optimierung Bauchgefühl statt Fakten.
  • Den Funnel einmal bauen und für immer unangetastet lassen. Ein Funnel ist nie fertig, er wird laufend nachgeschärft.

Häufige Fragen zum Marketing-Funnel

Was ist der Unterschied zwischen Marketing-Funnel und Sales-Funnel?

Der Marketing-Funnel deckt die gesamte Reise ab, von der ersten Aufmerksamkeit bis zur Kundenbindung nach dem Kauf. Der Sales-Funnel ist der schmalere Teil davon: der Ausschnitt, in dem aus einem qualifizierten Lead durch Beratung und Angebot ein zahlender Kunde wird. In der Praxis überschneiden sich beide meist in der mittleren und unteren Phase.

Wie viele Phasen hat ein Marketing-Funnel?

Am gebräuchlichsten ist die Einteilung in drei Phasen: TOFU (Aufmerksamkeit), MOFU (Interesse und Abwägung) und BOFU (Kaufentscheidung). Manche Modelle ergänzen eine vierte Phase nach dem Kauf für Kundenbindung und Weiterempfehlung.

Was ist der Unterschied zwischen einer Landingpage und einer normalen Website?

Eine normale Website hat viele Ziele gleichzeitig: informieren, Vertrauen aufbauen, verschiedene Zielgruppen bedienen. Eine Landingpage hat genau ein Ziel und keine Ablenkung, meist ohne Hauptnavigation. Sie ist das Werkzeug der mittleren und unteren Funnel-Phase, wo Besucher:innen zu Leads oder Kund:innen werden sollen.

Wie lange dauert es, bis ein Marketing-Funnel Ergebnisse bringt?

Erste Daten siehst du meist nach zwei bis vier Wochen, wenn genug Traffic durch den Funnel läuft. Verlässliche Aussagen über Conversion Rates und tatsächliche Kundengewinnung brauchen aber meist sechs bis zwölf Wochen, je nach Traffic-Volumen und Länge des Kaufentscheidungsprozesses.

Was kostet der Aufbau eines Marketing-Funnels?

Das hängt stark von Komplexität und Kanälen ab: eine einfache Landingpage mit einer Anzeigenkampagne kostet deutlich weniger als ein mehrstufiger Funnel mit E-Mail-Automatisierung, mehreren Content-Formaten und laufender Optimierung. Realistisch kalkulierst du Budget für Konzeption, Umsetzung und laufendes Kampagnen-Budget getrennt.

Braucht jedes Unternehmen einen Marketing-Funnel?

Jedes Unternehmen hat faktisch einen Funnel, ob geplant oder nicht — Menschen durchlaufen immer Phasen, bevor sie kaufen. Die Frage ist nicht ob, sondern ob du ihn bewusst gestaltest oder dem Zufall überlässt. Gerade bei erklärungsbedürftigen Produkten oder längeren Entscheidungsprozessen zahlt sich ein durchdachter Funnel schnell aus.

Fazit: Der Funnel macht dein Marketing planbar

Ein Marketing-Funnel ist kein Buzzword-Diagramm für eine Präsentation, sondern das ehrlichste Bild davon, wie Menschen tatsächlich kaufen: nie sofort, meistens in Stufen. Wer diese Stufen kennt, verschwendet kein Budget mehr auf die falsche Botschaft zur falschen Zeit. Der einzige Maßstab, der zählt: Gewinnst du dadurch neue Kund:innen? Alles andere, auch der schönste Trichter auf Papier, ist zweitrangig.

Groß denken darfst du dabei trotzdem. Ein Funnel muss nicht beim ersten Wurf perfekt sein, er muss überhaupt existieren, damit es etwas zum Optimieren gibt. Fang mit einer Phase an, miss, was passiert, und bau erst dann die nächste Stufe dazu.

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